Vom Kloster fahren wir auf einer Nebenstrecke zurück zur Hauptachse M55. In den Dörfern herrscht Landleben wie im 1900 Jahundert. Das Wasser wird von Brunnen mit Handpumpen entnommen und in die Wohnungen geholt. Das macht im Sommer sicher nichts aus, doch im kalten Winter ist diese Arbeit sicher nicht sehr angenehm. Wir haben uns in unserer westlichen Welt schon so sehr an fließendes Wasser aus Rohrleitungen gewöhnt, dass wir uns diese Art der Wasserversorgung nur sehr schwer vorstellen können. Kühe, Ziegen, Gänse und Hunde laufen frei auf der Straße herum. Das ist idyllisch, aber auch gefährlich für Mensch und Tier. Sicherheitshalber habe ich immer einen Finger am Bremshebel und bin glücklich dass meine BMW ein ABS hat, denn die vielen Kuh-Pfladen auf der Straße versprechen nicht den besten Grip falls man doch unverhofft bremsen muss. Manche Hunde gehen nämlich auf Jagd nach jedem Fahrzeug das die Dorfstraße entlang kommt, hier ist also schnelle Entscheidung gefragt. Bremsen und Anhalten, oder im richtigen Moment Gas geben und den Hund hinter sich lassen... Ich kenne dieses Spiel schon aus Rumänien und bin sicherheitshalber immer in einem niedrigerem Gang um bei Bedarf genügend Durchzug zu haben.
Die M55 nach Ulan-Ude ist gut ausgebaut, die Landschaft ist sehr schön. Freie Sicht über weite Wiesen mit bewaldeten Hügeln im Hintergrund. Bei angenehmen 26 Grad folgen wie der M55 und fahren an Ulan-Ude vorbei um von Süden in den Stadtkern zu gelangen.
Am Ortsrand werden wir mehrmals von einem mehr als vollbesetzten Wagen überholt. Im Fahrzeug sitzen sichtlich angetrunkene Herren und Damen. Wir halten sicherheitshalber an. Die Damen sind leicht bekleidet, oben nur im BH. Die Stimmung dieser Gesellschaft ist auf dem Höhepunkt und unsere zwei Motorräder aus dem fernen Europa setzen dem ganzen noch die Krone auf.
Nur mit Mühe können wir die Herrschaften los werden. Uns drängt die Zeit, denn wir müssen noch das mongolische Konsulat in Ulan-Ude für Hans finden. Und danach noch eine Unterkunft. An einer Kreuzung bessert die lokale Polizei Ihre Kasse auf und wir fragen dort nach dem Weg. Das Konsulat ist in der Nähe eines Platzes mit einem großen Lenin Kopf. Freundlich zeichnet der Ordnungshüter den Weg dorthin auf. Von dort ist das Konsulat nicht mehr weit. Hans hat Glück, morgen wird das Konsulat geöffnet haben (Parteiverkehr ist dort nur an 4 Tagen in der Woche). Wir finden eine halbwegs günstige Unterkunft rund 200 Meter entfernt vom Konsulat, so kann Hans morgen zu Fuß dort hin gehen und muss sich nicht mit dem Motorrad durch den emsigen Stadtverkehr kämpfen. Mit Motorrad-Kleidung macht es sicher nicht Spass im Konsulat mehrere Stunden zu warten und Formulare auszufüllen.
Am Hotel gibt es keinen abgeschlossenen Parkplatz, doch wir dürfen unsere Maschinen direkt neben dem Eingang parken. So haben wir ein sicheres Gefühl und können nach einer Dusche in die Stadt gehen.
Es ist schon fast 22 Uhr und der Magen vermeldet schon lange ein Hungergefühl. Müde und hungrig laufen wir die ganze Fußgängerzone entlang. Die Cafes haben schon geschlossen, hier werden wir also nicht fündig. Schließlich frage ich an einem Platz zwei junge Damen, die uns den nahegelegenen Irish-Pub empfehlen. Auf direktem Weg gehen wir dort hin und sind erstaunt. Die Einrichtung ist zwar Irisch, die Getränke auf, aber die Fernseher und Musikanlage spielen moderne elektronische Musik. Hungrig wie wir sind ist uns das egal und wir bestellen schnell Essen und Bier. Es gibt sogar einen WiFi-Zugang für meinen Laptop (100 Rubel für 33MB Traffic). Obwohl wir das Gleiche bestellen ist bei meiner Portion leider das Steak fürchterlich und ich lasse es lieber unberührt zurück gehen. Einen Erstatz bekomme ich leider nicht. Mit einer extra Portion Kartoffeln, ähnlich Pommes Frites, ist jedoch auch mein Magen gesättigt. Es gibt viele Biere auf der Karte und bei unserer Wahl erwischen wir ein Fass aus dem schon länger nichts mehr gezapft wurde. Der säuerliche Geschmack verdirbt uns den Geschmack und bevor wir uns den Magen verderben, bestellen wir eine Bier-Sorte die in großen Mengen am Nachbartisch konsumiert wird. Freundlich werden wir von der lustigen Runde aus chinesisch-mongolisch aussehenden Damen und Herren an diesen Nachbar-Tisch eingeladen, doch wir wollen uns nicht betrinken wie es diese Gesellschaft offensichtich vor hat... Müde, aber satt sind wir gegen 24 Uhr wieder an der Unterkunft und fallen in unsere Betten.
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