Von Maxim aus Moskau bekomme ich die Handynummer von Roman in Ufa. Wir machen für den kommenden Abend ein Treffen aus, ein Nachtlager wird mir sicher sein. Per SMS schickt mir Roman die Koordinaten, die ich in mein eTrex eingeben kann.
Schon ein paar Kilometer später werde ich an einer Straßenkontrolle aufgehalten. Ich hatte beim Umdrehen Minuten zuvor eine nur noch andeutungsweise sichtbare durchgezogene Linie überfahren. Die Herren in Uniform kassieren zuerst meinen Reisepass und beten mich ins Büro. Dort wollen die Herren 100 Euro Strafe von mir sehen. Mir erscheint das viel zu teuer! Ich verweigere und will den Preis in Rubel wissen. Stolze 4000 Rubel! Zuerst versuche ich es mit zwei 20 Euro Scheinen, jeden mit einer Geste in Richtung der beiden Beamten gelegt. Leider ist dieser Versuch nicht erfolgreich und nach einigen Minuten Zögern ziehe ich eben doch zwei 50 Euro Scheine heraus, die dann einer Art Brieftasche der Uniformierten landen. Eine Quittung bekomme ich nicht, doch ich immerhin wird mir mein Reisepass zurück gereicht... Jetzt habe ich also mein erstes Lehrgeld bezahlt!
Durch weitläufiges Farmland mit bewirtschafteten Feldern und frei umherlaufenden Pferden führt die Strecke über teils ebenes, leicht hügeliges Gelände. Die Straßen sind gewohnt holperig. In der Tat so holperig, dass sich bei dem mir voranfahrenden - neu erscheinenden LKW - das rechte Schutzblech mit der kompletten Lampeneinheit löst und schon fast auf der Straße dahinschleift, bevor der Fahrer das Problem bemerkt. Doch mit ein paar Schraubenschlüsseln und Kabelbindern kann der Fahrern alles am Straßenrand richten. Da ich ein paar Fotos mache komme ich nämlich erneut an diesem LKW vorbei als der Fahrer fleissig am Schrauben ist...
Am Ortseingang von Ufa frage ich einen Polizisten der Verkehrskontrolle nach dem Zentrum und telefoniere kurz mit Roman. Im vermeintlichen Stadtzentrum angekommen, zeigt mir mein Navigationsgerät noch 42 km bis zu den Koordinaten von Roman an. Dieser hatte allerdings gesagt, dass er direkt im Zentrum wohnt. Nach erneutem Telefonieren bietet er mir an dass er kommt und mich abholt, wo ich gerade stehe. Ich warte 10 Minuten, 20 Minuten, .... Vermutlich sind die Koordinaten doch richtig und es ist einfach noch so weit bis zu Roman. Nach ca 30 Minuten kommt Roman mit seiner BMW und einen Freund, ebenfalls mit einer 1200 GS, angebraust.
Die Vermutung bestätigt sich, die Koordinaten waren richtig! Die Stadt ist in seiner Ausdehnung nicht wie üblich kreisförmig, sondern dehnt sich länglich am Fluss entlang aus. Dies erklärt auch, warum das Zentrum der Stadt entfernungsmäßig so weit ausgedehnt ist.
Zusammen brausen wir mit 80 Sachen durch den wilden Verkehr des Feierabend. Ich hatte meine Lotsen zuvor gebeten langsam zu fahren. Doch 80 km/h in der Stadt ist für russische Motorrad-Verhältnisse eben die Definition von langsam. Als sehr geübter Motorradffahrer wartet Roman an jeder Ampel die ich wegen Rotlicht nicht mehr passieren kann und dann geht es gemeinsam weiter. Unser Weg führt in einen bewaldeten, grünen Gürtel in der Stadt zu einer luxuriösen und sehr gepflegten Wohnanlage. Erst später erfahre ich, dass Roman der Senior Vice President einer Ölfirma ist. Die Wohnanlage gehört ebenfalls der Ölfirma und hier wohnen die leitenden Angestellten während der Woche, bevor es am Wochenende per Flugzeug zu den Familien nach Moskau geht.
Die Zimmer sind äußerst luxuriös, unglaublich gepflegt und haben einen sehr schönen Holzboden. Ich lerne einige Arbeitskollegen von Roman kennen und nach dem Abendessen geht es ab in die Sauna. Danach kllingt der Abend mit reichlich Hochprozentigem und vielen Trinksprchen aus. Nicht alle davon verstehe ich, denn ich kann ja kein Russisch. Die wichtigsten werden mir von den Anwesenden ins Englische übersetzt.
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