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Startseite Weltreise 2009 Etappe 1 Russland Kilometerfressen wider Willen

Kilometerfressen wider Willen

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Am frühen Morgen starte ich in Richtung Kazan. Als Frühstück gibt es Kekse von der Tankstelle nebenan. Es vergehen hunderte Kilometer durch weitläufige Landschaften. Gegen Nachmittag beginne ich mit der Suche nach einer Unterkunft. Motels gibt es alle 50 - 100 km, daher sollte man rechtzeitig mit der Suche beginnen, falls man ein halbwegs vernünftiges Nachtlager bevorzugt. Ich sehe mir einige Motels an, doch allesamt sind leider augenscheinlich aus dem horizontalen Gewerbe. Bettbezüge im Tiger- und und Leparden-Look, verdächtige Wandfarben usw. In solche Betten werde ich mich nicht legen, denn Parasiten will ich nicht auf meiner Reise einfangen und mitschleppen.

Die Sonne geht hier ein paar Minuten nach 22 Uhr unter, es ist also noch Zeit. Ich fahre daher frohen Mutes immer weiter Richtung Osten und die Schatten werden länger. Als die Schatten nicht nur unglaublich lang, sondern nicht mehr vorhanden sind, habe ich immer noch keine Unterkunft. Der Tank meiner BMW ist auch schon fast leer. Ohne Benzin geht gar nichts, also volltanken und ab in die Nacht.

Ein paar Ortschaften weiter ist mir das nächtliche Fahren nicht mehr geheuer. Die Standard-Beleuchtung der F650 GS ist nicht wirklich der Hit. Vielleicht liegt das am Einzel-Scheinfwerfer... Oder dass überhaupt kein Mond scheint und daher alles noch dunkler als gewohnt erscheinen lässt.

Die Straßen sind auch alles andere als gewohnte europäische Qualität, der Asphalt hat tiefe Schlaglöcher und Spurrinnen von den vielen Trucks. Immer wieder sehe ich im seitlichen Lichtkegel Leute am Straßenrand. Einige davon sichtlich angetrunken. Als mir auf einem kurzen zweispurigen Autobahn-Teilstück ein Radfahrer stockbetrunken auf dem Überholstreifen in froher Stimmung entgegenradelt, ist es für mich klar: Keinen Meter mehr fahren, das ist Wahnsinn! Zur Not schlafe ich in Motorradkleidung am Straßenrand, so ist der Plan.

Einsames Motorrad in der Finsternis vor dem Trucker-TreffDas Glück ist jedoch auf meiner Seite und nach der nächsten Ortschaft treffe ich in der Finsternis auf einen Trucker-Imbiss, an dem jede Menge Trucks geparkt sind. Hier müss das Essen gut und die Sicherheit groß sein. - Also rechts ran und Maschine abstellen. Natürlich zieht man als Motorradfahrer sofort neugierige Blicke auf sich. Doch mit der Zeit lernt man die neugierigen Blicke von neidischen, gefährlichen Blicken zu unterscheiden.

Ich kaufe mir von meinen letzten Rubeln im Geldbeutel einen Cafe und gehe wieder zu meinem Motorrad. Der Trucker-Treff ist in einem Gebäude mit Obergeschoss. Scheinbar sind die Zimmer vermietet. In manchen brennt noch Licht. An der Kasse des Imbiss bekomme ich die Auskunft, dass die Zimmer oben tatsächlich zu mieten sind. Zuerst will mir die freundliche Dame ein Zimmer stundenweise vermieten. Das ist scheinbar in Fernfahrerkreisen manchmal üblich. Mit Hilfe einer Uhr zeige ich auf morgens, 8 Uhr und dann steht der Preis fest. So einfach ist das also! Die Auswahl Luxus für 1000 Rubel oder Standard für 600 Rubel ist zu treffen. Standard reicht mir, denn bei der Luxus Variante ist die Bettwäsche wieder extrem fraglich... Aus meinem Geheimversteck ziehe ich den letzten 1000 Rubel Schein und bezahle das Zimmer.

Ich schlafe in meiner Motorrad-Kleidung direkt au dem Bett. Allzu hygenisch erscheint mir die ganze Sache nämlich nicht. Oder vielleicht bin ich einfach zu müde, um die Tasche mit anderer Kleidung vom Motorrad abzupacken... Nach 700 km auf russischen Straßen bin ich zu ausgepowert um überhaupt irgendetwas zu machen.

Am kommenden Morgen habe ich die Wahl zwischen einem Trucker-Energie-Frühstück mit Eintopf-Suppe, Fleisch und Kartoffeln - oder Omletts. Ich halte mich an Zwei Portionen Omletts und eine Banane.

Übrigens, das Frühstück ist bei Motels und gleichartigen Unterkünften meist nicht inklusive. Doch die Ausgaben halten sich in Grenzen. Drei Omletts mit Quark umgerechnet rund 1 Euro. Kaffee (es gibt nur Instant-Kaffee) für rund 50 Cent. Das ist fair.

 

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