Die Grenze ist in Sicht. Und auch eine rund 800 m lange Autoschlange. Ich zuckle langsam im ersten Gang vorbei. Einige Leute schauen böse, andere wiederum winken freundlich. Also habe ich auch kein schlechtes Gewissen dass ich mich ganz vorne anstelle. Eine kurze Rückfrage beim Grenzposten der dies auch ok findet, bestätigt mich in meinem Handeln.
Also, wie reist man nun nach Russland ein? Vorab: Ich habe alles in allem gute 3 Stunden benötigt. Natürlich ist das abänging wieviele Autos auf eine Einreise warten...
Wichtig ist, dass man sich auf längere Prozeduren einstellt, dann wird man nicht unangenehm überrascht.
Erster Posten: Besser man hat schon eine Migration Card ausgefüllt, denn diese ist schon am ersten Schlagbaum unbedingt notwendig. Einfach beim ersten Grenzposten fragen, dann bekommt man schon das Formular der Migration Card. Idealerweise erhält man auch schon das Zoll-Formular (auch in zweichacher Ausfertigung) in englischer oder russischer Sprache. In meinem Fall hatte ich von einem netten Ford Transit Fahrer ein Zoll-Formular in deutscher Sprache bekommen, dieses wird bei mir jedoch beim russischen Grenzposten abgelehnt und so darf ich die zweifache Ausfertigung nochmal auf dem englischen Formular nachholen. Zurück zum Ablauf. Migration Card ausfüllen und beim ersten Posten abgeben.
Der zweite Posten ist bei mir eine Kontrolle der Papiere, also mein Reisepass, dann der Fahrzeugschein (Passport for motorbike) – hier hilft es, wenn man einen internationalen Zulassungsschein dabei hat - und letztlich der Führerschein.
Beim dritten Posten ist dann die Ausreise-Kontrolle aus lettischem Gebiet. Bei mir will die freundliche Dame in meine Alu-Koffer sehen, die Packsäcke muss ich aber nicht abmontieren...
Vierter Posten: Eine Ampel weiter ist dann die Einreisekontrolle in das russische Staatsgebiet. Hier wird nochmals alles kontrolliert und ich bekomme für mein Motorrad eine vorübergehende Einfuhrbestätigung/Zulassungsbestätigung für Russland (läuft über die Zoll-Einfuhrerklärung). Das ist das Formular, dass ich eben in englischer Sprache nochmals zweimal ausfüllen durfte. Das Papier dass man daraufhin bekommt, ist unheimlich wichtig. Verliert man diesen Bogen, dann kann man fast vergessen sein Fahrzeug ohne größrere Umstände wieder aus dem Land zu bekommen. Für meinen Teil bin ich jetzt schon gespannt, ob ich in Vladivostok durch Vorlage dieser Einfuhrbestätigung/Zulassungsbestätigung tatsächlich wenig Probleme bei der Ausfuhr haben werde. Doch bis dahin vergehen noch viele Kilometer und Tage. Apropos Tage. Die vorübergehende Einfuhrbestätigung/Zulassungsbestätigung ist zeitlich begrenzt, bei mir sind 90 Tage möglich gewesen. In meinem Fall reicht das für die Rest-Dauer meines Visums und sogar noch ein paar Tage länger.
Interessanterweise ist die Frage nach einer bestehenden Haftpflichversicherung an meiner Grenze nur Nebensache. Der russische Beamte erklärt mir, dass auf meiner grünen Versicherungskarte das Gebiet RUS durchgestrichen ist und daher kein Versicherungsschutz in Russland besteht. Eine Versicherung soll ich weiter vorne auf dem Grenzgelände abschließen. Mit diesen Worten werde ich zum nächsten Posten gewunken.
Posten Fünf winkt mich einfach durch und so habe ich gar nicht die Chance die gewünschte Haftpflichtversicherung abzuschließen. Das kommt mir komisch vor und daher halte ich direkt nach dem letzten Posten und laufe zurück. Ein bewaffneter Uniformierter im Flecktarn-Anzug macht mir deutlich dass ich nicht mehr zurück darf. Was tun? Ohne Versicherung will ich nicht durch ganz Russland fahren. Das Wörterbuch Deutsch-Russisch ist ganz unten in meinem Packsack. Trotzdem habe ich keinerlei Hemmungen direkt an der Grenze alles auszupacken und dann das Wörterbuch hervorzuholen. Das Wort Haftpflicht steht glücklicherweise im kleinen Wörterbuch. Und das halte ich dem Posten vor die Nase. Einige Telefonate und Minuten später bekomme ich folgende Info: Weiter vorn, Cafe. Nun gut dann mache ich mich eben auf den Weg ins Cafe.
Dort werde ich zur Tankstelle gegenüber geschickt. Hier gibt es dann endlich die ersehnte Haftpflicht-Versicherung für mein Motorrad. Für 90 Tage zahle ich 1490 Rubel, das sind rund 35 Euro. Preislich fair – allerdings sind die Deckungssummen haarsträubend niedrig. Leider ist das jedoch die einzige Möglichkeit sich überhaupt abzusichern. Bei dieser Gelegenheit wechsle ich noch ein paar Euro in Rubel.






