Nach zwei entspannten Tagen in Oelsa steht heute eine längere Etappe auf dem Programm.
Vormittags warte ich noch auf eine dringende Postsendung. Doch die Post lässt mich nicht im Stich. Mit nur wenig Verzögerung trifft der erwartete Brief ein. Nun kann ich beruhigt packen und die BMW startklar machen. Es ist nun schon 11 Uhr und mir stehen einige Kilometer bevor. Noch dazu kippt das Wetter ins regnerische und so starte ich direkt in meinen Regenklamotten.
Mein Onkel Helmut begleitet mich noch das erste Stück, ich mache noch eine Besorgung in einer Apotheke und dann bin ich auf mich allein gestellt.
Die letzten Tage habe ich einige Zeit verloren und daher nehme ich das in Deutschland verbleibende Stück Autobahn. Viele werden sich nun denken: „So ein Schmarrn“! Doch ich will mir lieber die Zeit für interessante Strecken in Russland aufsparen. Und unter uns gesagt, hat denn ein schönes ruhiges Stück Asphalt nicht auch seine Qualitäten?
Über Görlitz geht es weiter in Richtung Osten, den Regenschutz kann ich glücklicherweise ablegen.
Rund 60 Kilometer vor Wroclaw werden mir die schwarzen Wolken doch endgültig wieder zu schwarz. Die Regenklamotten werden erneut ausgepackt. Keinen Moment zu früh, denn kaum einen Kilometer später regnet es aus Kübeln. Mit dem immer noch recht starken Wind aus dem Rücken und leicht von der Seite fahre ich nun brav unter meiner persönlichen Regenwolke die nächsten 60km dahin.
Am Ortseingang von Wroclaw folgt eine Baustelle der anderen und die Beschilderung der Umleitung ist wieder mal nicht wirklich auf meiner Wellenlänge. Ich verfahre mich tierisch und lande im Feierabendverkehr dieser Stadt mit teilweise übelst geflicken Straßen aus Kopfsteinpflaster mit Straßenbahnschienen. Und das ganze noch klitschnass. Hallelujah. Das hatte ich mir nun ehrlich einfacher vorgestellt.
Nachdem ich inzwischen in der komplett falschen Himmelsrichtung unterwegs bin, entschließe ich mich zur Umkehr. Nichts einfacher als das, die Tücken der innerörtlichen Strecke kenne ich nun ja schon! Im Prinzip logisch, wäre da nicht eine Demonstration/Kundgebung, wegen der auf einmal der Rückweg gesperrt ist... Was soll man da noch sagen! Ich füge mich der Polizei und auf einer selbstgestricken Umfahrung komme ich doch tatsächlich wieder auf die gewünschte Route.
Nun sind es nur noch knappe 100km auf der E67. Es folgt Ortschaft an Ortschaft und so dauern die 100km rund 3 Stunden. Am Hotel (Zielona Weranda) angekommen werde ich von einer Hochzeit überrascht und die Rezeption kündigt mir laute Musik bis 4 Uhr morgens an... Mir wird ein Zimmer angeboten dass etwas einfacher in der Ausstattung ist, jedoch weiter entfernt vom Trubel der Feierlichkeiten...
Beim Abladen meiner Taschen lerne ich den Bräutigam und seine besten Freunde kennen, die alle sehr nett sind und gutes Englisch sprechen. Mit besten Wünschen zur frischen Hochzeit packe ich weiter ab und trage meine Sachen ins sichere Zimmer.
Morgen geht es an Warschau vorbei weiter in Richtung Osten...
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