30.06.2005 (Donnerstag) 9. Tag
Bicaz Motorrest – 210km – Sibiu
Der Start in diesen Tag erfolgt mit Regenkombi, denn es sieht nicht so aus als würde eine schnelle Wetterbesserung in Sicht kommen. Auf Nebenstraßen geht es in Richtung Süden. Wir werden von dunkelgrauen Wolken verfolgt und ein Abstecher auf einem Feldweg endet auf schmierigem Boden. Sogar unsere TKC80 Bereifung setzt sich sofort mit dem lehmigen Boden zu.
Vorsichtig fahren wir auf den kleinen Straßen weiter nach Agnita, einem kleineren Dorf, um unsere Vorräte aufzufüllen. In dem kleinen Lebensmittelladen mit integriertem 3-Tisch-Cafè werden wir von den Anwohnern gleich gut aufgenommen, aber leider auch angebettelt. Jan gibt einem dieser hartnäckigen Leute ein Bier aus, damit wir in aller Ruhe unsere weiteren Pläne für den Tag besprechen können. Wir sind uns noch nicht sicher ob wir bei diesem unsicheren Wetter im Zelt schlafen wollen. Schließlich faheren wir von einem Gewitter ins nächste und der Boden ist alles andere als trocken. Da die Unwetter nicht verziehen wollen entschließen wir uns nach Sibiu zu fahren und dort wieder eine günstige Unterkunft zu nehmen. Die Entscheidung war zwar schnell gefasst, die Suche nach der Schlafmöglichkeit dauert jedoch umso länger. Alles was nach Unterkunft/Hotel aussieht ist für unser Budget unbezahlbar. Als wir im Studentenviertel ein paar junge Leute sehen halten wir an. Wenn die nicht wissen wo man günstig unterkommt, dann werden wir eben doch Zelten gehen...
Mit ein paar englischen Worten können wir unser Anliegen deutlich machen und wir bekommen die Pension „Leo“ empfohlen. Dankbar verabschieden wir uns und machen uns auf dem Weg dorthin. Wir dürfen sogar unsere Motorräder im Hinterhof der Unterkunft abstellen. Die Zimmer sind super, wenngleich auf merkwürdig eingerichtet. Hawaii-Bettwäsche, Zimmerwände in oranger Farbe, viele Kerzen – all das kommt uns ein wenig unwirklich vor. Das 1-Bett-Zimmer ist unter einer Treppe und hat kein Fenster. Wer Harry Potter kennt, kann sich das „Zimmer“ auch bildlich vorstellen! Trotzdem bleiben wir und gehen nach einer Dusche zum Essen. Gestärkt vom guten Essen kehren wir zurück in unsere Pension, an der das Schild nun beleuchtet ist. „Open 24h“. Drinnen werden wir von hübschen, netten Damen empfangen. Aus diesem Blickwinkel kommt uns die Zimmereinrichtung gar nicht mehr so komisch vor. Ganz im Gegenteil. Die Damen werden sich wohl eher denken, dass wir nicht ganz in das Geschehen passen. Schnell machen wir klar, wir haben schon ein Zimmer, wollen nur übernachten und keine weiteren Annehmlichkeiten genießen! Dies wird ohne Weiteres respektiert und wir können uns unser Feierabend-Bier schmecken lassen. Morgen soll die lang erwartete Schotterstrecke durch die Berge beginnen. Zwei der Gipfel dort sind recht hoch und werden von Jan „Thors Zwillinge“ getauft. Gespannt und voller Freude auf die vor uns liegende Strecke gehen wir zu Bett.
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