28.06.2005 (Dienstag) 7. Tag
Camping bei Kisar in Ungarn – 250km – Haus von Nanu
Morgens gehen wir noch Wasserflaschen kaufen. Als wir im kleinen Supermarkt an einigen Espresso-Packungen vorbeilaufen, denken wir wieder mal an unsere vergessene Kaffeemaschine... Auch in diesem Laden haben wir keinen Erfolg. An der Kasse bekommen wir jedoch die Auskunft, dass es im Ort einen Laden gibt der neue und gebrauchte Haushaltsmaschinen verkauft. Hier könnten wir vielleicht Erfolg haben. Und: Wir haben Erfolg! Endlich sind wir wieder in Besitz einer Kaffeemaschine und können uns morgens nun selbst ein leckeres Getränk zubereiten!
Im Schatten sind an diesem Vormittag die Temperaturen schon fast bei 30 Grad! Wir machen uns auf den Weg um den kühlenden Fahrtwind zu genießen...
Die Einreise nach Rumänien verläuft problemlos. Leider durfte ich allerdings keine Fotos machen. Den Fotoapparat in die Hand zu nehmen ist in Grenzgebieten sowieso immer gefährlich. Warum eigentlich? Diese Frage wird uns wohl nie jemand erklären können. Man sollte an jeder Grenze eine offizielle Fotoecke mit den Landesfahnen der Grenzländer einrichten. Da würden sich einige Touristen freuen und die Grenzbeamten müssten nicht dauernd nach Fotoapparaten Ausschau halten.
In der nächsten größeren Stadt (Satu Mare) werden wir ein paar Euro zu wechseln. Kaum haben wir ein paar Euro in der Landeswährung, sind auch unsere Geldbeutel dick wie Steaks! Ein Gefühl, dass ich auch gerne daheim in Deutschland mal hätte! Vor der Bank spricht uns ein KTM-Fahrer an. Sein Name ist „Sylvester“ und er sei der General Importeur von KTM in Rumänien. Sylvester begleitet uns durch den dichten Mittagsverkehr quer durch die Stadt und weist uns den weiteren Weg dass wir schnell wieder aus dem hektischen Treiben rauskommen. Ein paar Kilometer und unzählige Schlaglöcher weiter sind wir wieder in der Natur. Vor uns öffnen sich weiter Wiesen auf denen Heu zusammengetragen wird. Die Bauernhäuser sind auch mit unglaublich schönen, alten Einfahrtstoren und Fassaden geschmückt. Gegen Nachmittag suchen wir nach einem Supermarkt um Wasser und etwas zum Abendessen zu kaufen. Im kleinen Mini-ABC Laden sind wir sofort die Attraktion, denn Motorradfahrer besuchen hier wohl weniger die ländlichen Gegenden.
Am zweiten Mini-ABC werden wir von einem Lieferwagen-Fahrer angesprochen. Mit erstaunlich gutem Deutsch erklärt „Nanu“ dass er die kleinen Supermärkte mit Waren beliefert. Seine Freundin geht in Deutschland auf die Uni und daher lernt er auch die deutsche Sprache. Wir finden das klasse. Auf unsere Frage ob er ein ruhiges Plätzchen für unsere Zelte kenne bietet er uns kurzerhand die Übernachtung in seinem Landhaus an. Er selbst müsse zwar die Nacht in der Stadt verbringen, doch wir sollen uns wie zuhause fühlen! Mit so viel Gastlichkeit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Das Haus liegt direkt am Fluss ein paar Kilometer ab von der Hauptstraße. Wir bekommen von Nanu die Wohnungsschlüssel und den Tipp dass wir die Motorräder nachts besser in der Einfahrt absperren. Gemacht getan. Wir fühlen uns rundum sicher, obgleich uns die Gastfreundschaft immernoch fraglich vorkommt. Wer würde daheim in Deutschland drei motorradfahrenden Ausländern kurzerhand die Schlüssel zu seinem Landhaus geben? Wohl niemand.
Ein erfrischendes Bad im kalten Fluss am Fuß des Hauses und ein abendlicher Spaziergang runden den erlebnisreichen Tag ab. Wir kochen auf der Terrasse des Hauses und haben einen wunderbaren Blick auf den Sonnenuntergang. Nachts werden wir von Motorgeräuschen in der Hofeinfahrt geweckt. Der Lieferwagen von Nanu steht mit den Ladetüren in Richtung unserer Motorräder. „Alles klar, das ist wohl der Haken! Jetzt bekommen unsere Bikes wohl neue Besitzer!“ - das waren unsere besorgten Gedanken. Wie geht man wohl mit einer derartigen Situation um? Wir laufen hinunter und treffen auf Nanu. Er ist jedoch nicht alleine sondern in Begleitung einer jungen Dame, seiner Freundin. Scheinbar waren die beiden noch mehr besorgt als wir selber. Daher sind sie extra aus der Stadt zu uns aufs Land gefahren um mit dem Lieferwagen die Sicht von der Straße auf die Motorräder zu verdecken. Wir reden noch ein paar Minuten bevor die beiden wieder in die Stadt fahren. Erleichtert gehen wir wieder auf unsere Zimmer und schlafen die ganze Nacht durch.
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