
Am 19.08.2006 starte ich in Regensburg in Richtung Norden. Mein Ziel ist das Nordkap in Norwegen. Leider muss ich mit einer Erkältung starten, doch der Fahrtwind wird den Schnupfen schon vertreiben. Bei sonnigem Wetter ist die Tagesetappe nach Hamburg leicht zu schaffen. Am Nachmittag stehen einige Gewitter vor mir. Also rein in den Regenkombi! Abends finde ich Unterkunft in der Hansestadt Hamburg bei meiner guten Freundin Katrin.

Am frühen Morgen gehts nach Kiel um die Fähre nach Oslo zu bekommen. Es dauert lange bis ich beim Verladen an der Reihe bin. Besser hätte ich die Motorradsachen schon beim Warten ausgezogen... Also heute mal umgekehrt, nicht außen nass vom Regen, sondern von innen durch Transpiration.
Die Überfahrt nach Oslo findet über Nacht statt. Nach einem sensationellen Sonnenuntergang auf Deck fallen mir schnell die Augen zu. Macht nichts, so kann ich Energie für den langen bevorstehenden Tag in Norwegen sammeln.

Mein erster Besuch in Norwegen beginnt bei Regen! Hoffentlich bleibt es nicht die ganze Reise so nass... Schnell lasse ich den Stadtverkehr hinter mir und mache mich auf in Richtung Norden. Kurz nach Oslo hört es auch schon auf zu regnen!
Was für ein Glück :-) Diese Tagesetappe bringt mich an Lillehammer vorbei auf schönen Überland-Strecken bis nach Trondheim.
Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es am Fluss Namsen entlang bis nach Mo I Rana. Der Namsen ist einer von Norwegens berühmtesten Lachsflüssen. Es ist wenig Verkehr, eigentlich gar kein Verkehr. Das Fahren macht auf den guten Straßen richtig Spass, auch wenn Norwegen kein Kurven-Eldorado ist. Gerade deswegen kann man die Natur auf sich wirken lassen und entspannt Kilometer machen. Auf dem Weg sehe ich die ersten Gletscher mit ewigem Eis am Horizont.

Am fünften Tag meiner Tour geht es über den Polarkreis (66°33) weiter Richtung Norden bis nach Evenskjaer kurz vor Narvik. Auf der kurzen Fährfahrt zu den landseitigen Ausläufern der Lofoten scheint die Sonne und es hat immerhin gute 20grad im Windschatten. Kurz danach mache ich auf dem Land Bekanntschaft mit einem eisig kalten Nebel, der aus dem Norden heranzieht. Ziemlich durchgefroren erreiche ich mein Etappenziel. Dieser Nebel wird mich ab sofort jeden Tag ab dem frühen Nachmittag begleiten...
Weil ich gestern so durchgefroren war, ziehe ich heute fast alle warmen Kleidungsstücke an, die mein Gepäck hergibt. Und am Helm überklebe ich die Belüftungslöcher mit Klebeband. Gut gerüstet kann es nun weitergehen. An Narvik vorbei führt meine Route heute bis zum Altafjord. Ich nehme mir eine kleine Holzhütte und gehe früh ins Bett...
Nun ist das Nordkap in Reichweite für den folgenden Tag.

Am Tag 7 nach meiner Abfahrt ist es soweit. Heute werde ich bis ans Nordkap fahren! Dieses Ziel vor Augen geht es bei Sonnenschein und eisiger Kälte in den nördlichsten Teil Europas. Gegen Mittag bin ich auf der "Zielgeraden". Nach einer leckeren Currywurst an einer Tankstelle geht es die letzten Kilometer nach Norden. Da dieses Gebiet ein Rentier-Schutzgebiet ist, muss ich alle paar hundert Meter stark bremsen. Überall stehen Rentiere, auf der Straße und sogar in den Tunneln(!) die oft innen feucht und gar nicht beleuchtet sind. Die Rentiere sind nicht so scheu wie unsere Rehe. Ganz im Gegenteil, die Gesellen lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Auch Hupen hilft in der Regel nichts. Da bleibt nur allen Mut zusammenfassen und langsam an den Tierchen vorbeizufahren. Das Nordkap erreiche ich am frühen Nachmittag. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint - nur der Wind ist eisig kalt. Der Blick kann ungehindert in alle Richtungen wandern. So ein Glück haben wohl nur wenige, die den weiten Weg hierher zurücklegen... Da ich noch weiter nach Hammerfest will, kann ich nicht allzu lange verweilen und mache mich wieder auf den Weg. Gegen abend erreiche ich Hammerfest!

Nun habe ich einen ganzen Tag Zeit um mich in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt, umzusehen. Eine Gruppe Jugendlicher dreht in einem Cabrio(!) mehrmals eine Stadtrunde. Die wenigen sonnigen Tage hier im hohen Norden werden von jedermann gefeiert... Auf meinem Spaziergang durch die Stadt begegnen mir immer wieder Rentiere, die in den Vorgärten der Häuser das frische Gras fressen. Da die Vorgärten meist nicht eingezäunt sind, können die netten Tiere bis an die Haustüre kommen.

Heute werde ich mit meinem Motorrad bei den Hurtigruten, der weltbekannten Postschifflinie einchecken. Davor besuche ich noch die Meridian-Säule und den Eisbären-Club. Im Nachhinein hätte ich dort Mitglied werden sollen, denn es werden nur Leute aufgenommen, die sich zur Antragsstellung "vor Ort" befinden! Gegen Mittag gehts dann auf das Schiff "Trollfjord". Die Seereise ist wunderschön und führt mich in mehreren Tagen nach Bergen zurück in den Süden Norwegens.

Nach 4 Tagen auf See geht die Reise mit den Hurtigruten dem Ende entgegen. Diese Reise wird mit Recht als eine der schönsten Seereisen der Welt bezeichnet! Da ich erst gegen Mittag in Bergen ankomme und das Wetter leicht regnerisch ist, kann ich die Strecke bis nach Stavanger zu Birgit nicht mehr schaffen. Ich entschließe mich den Nachmittag entspannt einfach in die richtige Richtung zu fahren...
Heute gehts nach Stavanger, dort werde ich zu Besuch bei Birgit und Ihrem Mann sein. Beide sind 2006 wegen beruflichen Chancen nach Norwegen gezogen. Die Strecke durch Südnorwegen ist wunderschön. Es gibt deutlich mehr Kurven als im hohen Norden, aber auch deutlich mehr Verkehr auf den Straßen. Ich weiche von der Hauptroute ab und nehme eine Querung durch sehr schöne ländliche Regionen. Gegen Nachmittag bin ich in Stavanger. Der Abend bei Birgit und Ihrem Mann ist sehr schön, wir haben uns jahrelang nicht gesehen und es gibt viel zu erzählen.

Mit dem Ziel Dänemark vor Augen sitze ich nach dem Frühstück recht früh wieder auf dem Motorrad, ich will meine Fähre von Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark nicht verpassen. Die High-Speed Fähre ist eine Sensation und so bin ich abens bereits in Dänemark. Allerdings ist es schon dunkel und ich werde von heftigem Regen empfangen. Gut dass ich vorab eine Unterkunft gebucht hatte. Dass es allerdings eine umgebaute Sauna-Hütte sein wird, hätte ich nicht erwartet. Anstatt der Schwitzbank steht dort nun ein Bett und der Eukalyptus-Duft der vergangenen Aufgüsse liegt noch im Holz. Dafür sind die Vermieter sehr nett und geben mir etwas von Ihrem Abendessen ab. Ich darf wegen des Regens sogar mein Motorrad in der Garage der Familie abstellen. Dankbar nehme ich dieses Angebot an und verkrieche mich dann in meiner Sauna-Hütte....

Der Tag beginnt mit unglaublich starkem Regen und stürmischen Wind. Ich entschließe mich in einem Rutsch die rund 1.200km bis Regensburg durchzufahren. Ich liege gut in der Zeit, doch bei Großenaspe zwischen Flensburg und Hamburg fängt meine Maschine an zu ruckeln und bleibt wenige Kilometer später endgültig stehen. Ein Abschleppwagen muss her, denn der Laderegler ist durchgebrannt... Leider haben an diesem Tag alle Werkstätten geschlossen und ich muss bis morgen warten.

Am Vormittag findet sich eine Werkstatt, die einen passenden Regler für meine Maschine hat. Gegen Mittag kann ich wieder starten und fahre dann mit 4mal Tanken bis nach Regensburg durch, denn am folgenden Tag beginnt nach 17 Tagen Urlaub wieder die Arbeit...